Manfred Güllner zieht sich als Forsa-Chef zurück: Ende einer Ära in der Meinungsforschung

Manfred Güllner tritt als Forsa-Chef zurück: Ende einer Umfrage-Ära

Der renommierte Meinungsforscher Manfred Güllner, weithin bekannt als „Demoskopen-Papst“ und Gründer des Forsa-Instituts, hat seinen Rückzug aus der operativen Geschäftsführung bekanntgegeben. Die Leitung überträgt der 84-Jährige der bestehenden Führungsebene, bleibt jedoch dem Institut in einer beratenden Funktion erhalten. Gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ äußerte Güllner, dass „die Biologie“ der Hauptgrund seines Rückzugs sei, da sie sich nicht verdrängen lasse. Zudem erklärte er, „bestürzt und besorgt über den heutigen leichtfertigen und verantwortungslosen Umgang vieler Medien und Politiker“ mit Umfragedaten zu sein.

Wegbegleiter einer prägender Ära der Meinungsforschung

Manfred Güllner, ausgebildeter Soziologe und Sozialpsychologe und bekanntes Mitglied der SPD, gilt seit über 40 Jahren als entscheidende Figur in der deutschen Meinungsforschung. Als „Herr der Zahlen“ oder „Mann der Meinung“ beeinflusste sein Institut wöchentlich politische Debatten mit den berühmten Sonntagsfragen, die politischen Spitzenvertretern einen Spiegel vorhielten. Besonders das RTL/ntv-Trendbarometer sorgte in der politischen Landschaft für Debatten, zuletzt im Jahr 2025 mit der Erhebung zum AfD-Vorsprung, bei der 49 Prozent der Befragten Persönlichkeiten wie Merkel, Scholz und Merz gleichmäßige Verantwortlichkeiten zuschrieben.

Kritik als Vermächtnis

Güllners Rückzug markiert das Ende einer Ära, die er gleichzeitig kritisch begleitet hat. Kürzlich wandelte sich seine Beziehung zur SPD, als er kritisch anmerkte: „Mehr Klassenkampf, weniger Stimmen“ – eine Warnung, die die Partei ignorierte. Trotz seines Austritts aus der aktiven Geschäftsführung bleibt er der Öffentlichkeit durch seine monatliche Kommentartätigkeit auf Portalen wie Kommunal.de erhalten, wo er die Auswirkungen von Umfragen auf Gemeinden und Städte analysiert.

Bleibendes Erbe und Lücke in der deutschen Meinungsforschung

Manfred Güllners Rückzug löst nicht nur in der Meinungsforschungsbranche, sondern auch in politischen Kreisen Betroffenheit aus. Branchenkenner loben sein Erbe und betonen: „Er hat die Politik beobachtet, erklärt, kritisiert und mitgeprägt.“ Auch wenn Forsa mit Sitz in Berlin weiterhin als Marktführer seine Stellung behauptet, wird Güllners scharfsinnige Kommentierung des Tagesgeschehens vielen fehlen.

Die Nachricht seines Rückzugs hinterlässt eine spürbare Lücke, vor allem in der SPD, die seine kritische Skepsis langfristig vermissen könnte. Trotz allem bleibt die bestehende Geschäftsführung auf einem soliden Fundament, auch wenn sie die Herausforderungen ohne Güllners unverwechselbare Stimme angehen muss.