Stefan Dohler warnt vor Herausforderungen der Energiewende
Oldenburg/Berlin – Stefan Dohler, der Vorstandschef der EWE AG und Präsident des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), hat jüngst auf die dringenden Herausforderungen der Energiewende hingewiesen. In verschiedenen Interviews betonte der 1966 geborene Energieexperte aus Cochem die Notwendigkeit einer realistischen Überprüfung der bestehenden Strategien und forderte gelichzeitig eine Kurskorrektur.
Kurskorrektur dringend notwendig
Dohler kritisierte, dass der steigende Stromverbrauch überzogene Ziele beim Ausbau erneuerbarer Energien in Frage stelle. Er schlug eine „Systemkostenoptimierung“ vor, anstatt wahllos in den Netzausbau zu investieren: „Es ergibt keinen Sinn, das Netz an Standorten auszubauen, wo lediglich einzelne Anlagen stehen“, sagte er gegenüber dem Handelsblatt. Zumindest kurzfristig sei jedoch ein Ausbau der Netzinfrastruktur notwendig, um die Integration von Wärmepumpen, der Elektromobilität und neuen erneuerbaren Energieanlagen zu ermöglichen. Batterielösungen hob er als entscheidend für die notwendige Flexibilität hervor.
Nationale Gasreserve als Vorsorge
Besonders besorgniserregend sei laut Dohler der aktuelle Stand der Gasspeicher, die nur zu 52 Prozent gefüllt sind, im Vergleich zu 77 Prozent im Vorjahr. Er regte die Einrichtung einer nationalen Gasreserve an, betonte jedoch, dass keine Panik erforderlich sei: „Ich schlage keinen Alarm, doch Vorsorge muss getroffen werden“, erklärte Dohler. Er verwies auf die anhaltende Kälteperiode und stabile Versorgung durch LNG-Terminals als zusätzliche Faktoren.
Kritik an aktuellen EU-Regelungen zur Wasserstoffproduktion
Ein weiteres Problem sieht Dohler in den EU-Vorgaben zur Wasserstofferzeugung. EWE plant in Emden den Bau von Deutschlands größtem 320-MW-Elektrolyseur. Die aktuellen Regelungen zur Strombeschaffung könnten laut Dohler die Kosten für grünen Wasserstoff um bis zu 50 Prozent erhöhen. Er fordert die Bundesregierung auf, in Brüssel aktiv für eine Lockerung der Regelungen einzutreten: „Wichtige Rahmenbedingungen sind für den Hochlauf entscheidend.“
Investitionsbereitschaft trotz Herausforderungen ungebrochen
Ungeachtet dieser Herausforderungen bleibt Dohler optimistisch und hat angekündigt, dass EWE in den nächsten zehn Jahren 15 Milliarden Euro in die Zukunft der Energie zu investieren plant. „Eine Rückkehr zur fossilen Energie ist keine Option – wir müssen Kurs halten!“, so Dohler. Er erwartet nun von der neuen Regierung, bestehend aus Union und SPD, konkrete Maßnahmen zur Schaffung von Investitionssicherheit, insbesondere in den bevorstehenden Koalitionsverhandlungen.
